Erschienen am 23.12.2009 / Frankenpost Hof / Von Peter Langer
Melanie Gebhardt fühlt sich wohl
Kanu | Die junge Hoferin will in der Leipziger Eliteschule des Sports das Abitur machen und in ihrer Disziplin möglichst weit nach vorne kommen. Die Trainer loben sie und machen ihr Mut für den ersten Sichtungslehrgang in Duisburg-Werdau.
Kanuten lieben das Leben unter freiem Himmel. Auch bei Minusgraden im Winter. Melanie Gebhardt macht's deshalb nichts aus, wenn sie bei Wind und Wetter auf der Weißen Elster paddelt. Nach der Schule tut's ihr sogar gut. Frische Luft macht den Kopf frei.
Die 15 Jahre alte Hoferin ist seit Beginn dieses Schuljahres in Leipzig, hat zähneknirschend wegen der früheren Ferien in Sachsen auf einige Wochen Sommerurlaub verzichtet und diesen Schritt noch keine Sekunde bereut. Sie verzichtet, weil sie sportliche Ziele hat. Olympia? "Natürlich, aber das ist alles schon noch sehr weit weg", setzt die Gymnasiastin alles in eine vernünftige Relation.
Melanie fühlt sich nach kleinen Anpassungsschwierigkeiten pudelwohl in Leipzig. Wohl auch ein Verdienst ihrer bayerischen Kanu-Freundin Sophia, die aus Würzburg stammt und wie Melanie zu den Deutschlands Kanu-Hoffnungen zählt. "Zu zweit können wir uns gut behaupten gegen die sächsische Übermacht." Sagt Melanie Gebhardt und zwinkert mit den Augen. Längst kommt sie mit allen klar, denn alle eint ein Ziel. Sie wollen sich sportlich weiterentwickeln und dabei die Schule nicht vernachlässigen.
"Alles gut gelöst", betont, Melanie, deren Unterricht früh um sieben Uhr beginnt und bis 15.30 oder 16 Uhr geht. Danach steigt sie ins Kanu. Ihre Zimmerkollegin kommt aus der Lausitz und spielt Handball. Melanie Gebhardt versteht sich gut mit ihr. "Wir quatschen auch mal über andere Sachen", freut sich die Hoferin, die nach Einschätzung ihrer Mutter in dem halben Jahr einen Riesensprung nach vorne gemacht. "Sie ist viel selbstständiger geworden." Musste sie werden, denn Hof ist zwar nur eine gute Autobahnstunde entfernt, aber viele Entscheidungen muss sie inzwischen alleine treffen.
War sie in der Anfangszeit noch jedes Wochenende bei der Familie in Hof, kommt sie jetzt vielleicht noch einmal im Monat. "Leipzig ist groß und interessant. Wenn wir am Wochenende mal Zeit haben, wollen wir auch was sehen." Doch der Sport bleibt nie außen vor. "Julia und ich joggen dann viel. Schließlich soll's ja vorwärts gehen."
Die Leipziger Elite-Trainer sehen die Fortschritte der 15-Jährigen aus Oberfranken. Dass Melanie über ein außergewöhnliches Talent verfügt, ist ihnen auch nicht entgangen. "Sie hat ein ganz tolles Wassergefühl", lobte schon immer ihr Heimtrainer Günter Meier, der froh ist, dass sich die Gebhardts zu diesem Schritt entschlossen haben. "Wir haben beim Faltbootclub den Grundstein gelegt. Jetzt können wir ihr sportlich nicht mehr weiterhelfen." In Leipzig wurden jetzt schon zwei Mal die Laktat-Werte des hübschen Teenagers aus Hof gemessen. Muss wohl sein, sagt Melanie. In Topform ist sie noch nicht. Das spürt sie, doch die Trainer beruhigen sie. "Du wirst hier behutsam aufgebaut und nicht verheizt." Mindestens vier Jahre will die junge Dame in Leipzig bleiben. Das Abitur machen und dann beruflich etwas machen, was mit Sport zu tun. Die vorweihnachtliche Woche hat sie sich in Leipzig in der Schule abgemeldet , um in Hof eine Woche lang ein Kurz-Praktikum in einem Hofer Fitness-Studio machen.
Im neuen Jahr will sie dann angreifen. Der Sichtungslehrgang des Deutschen Kanu-Verbandes in Duisburg-Wedau ist die erste große Hürde. Im März soll der stattfinden. Wieder bei Wind und Wetter wahrscheinlich. Melanie weiß, dass der Trainingsaufbau in Leipzig passt und sie dann erste Ausrufezeichen setzen kann. Die Trainer sind überzeugt davon. "Sie ist stilistisch eine der Besten und muss längst nicht so viel Kraft wie die anderen aufwenden." Melanie hört's gern. Trotz aller Bescheidenheit.